Kritik am Chef – So geht es richtig!

von Lena Stief

Menschen machen Fehler – so auch Vorgesetzte. Doch Kritik am Chef oder der Chefin zu äußern, kann schon aufgrund der Hierarchiestruktur im Unternehmen heikel sein. Daher gilt es, sich auf Kritikgespräche gut vorzubereiten und konstruktive Verbesserungsvorschläge zu unterbreiten. Dann haben Sie sogar die Chance, dass sich die Arbeitsatmosphäre verbessern und das ganze Unternehmen profitieren kann. Wir erklären, wie Sie Stolperfallen vermeiden und Kritik an Vorgesetzten richtig äußern.

So bereiten Sie sich vor

Planen Sie das Gespräch richtig

Durchdenken Sie Ihr Gespräch im Vorfeld ernsthaft. Überlegen Sie sich, was genau Sie erreichen oder verbessern wollen. Hat Ihr Chef oder Ihre Chefin überhaupt die Befugnisse und Möglichkeiten dazu, den Grund für Ihren Ärger abzustellen? Oft kommen Arbeitsaufträge, Umstrukturierungen oder Zielvorgaben von einer Person höherer Rangordnung. Darauf hat auch Ihr Vorgesetzter meist keinen Einfluss. Halten Sie sich also immer den Handlungsspielraum Ihres Vorgesetzen vor Augen.

Ein Mann sitzt vor Unterlagen und markiert diese mit einem Textmarker.

Achten Sie auf Ihre Wortwahl bei der Kritik am Chef

Auch eine durchdachte Wortwahl und der richtige Umgangston sind wichtig. Auf keinen Fall sollten Sie in das Gespräch mit negativen Aussagen einsteigen wie: „Wir haben ein Problem“. Schaffen sie stattdessen eine positive Gesprächsumgebung, indem Sie etwa sagen: „Ich mag meine Arbeit in diesem Unternehmen sehr. In letzter Zeit habe ich jedoch unglücklicherweise bemerkt, dass …“. Auf diese Weise können Sie die Atmosphäre direkt auflockern.

Überlegen Sie sich auch: In welcher Form vertragen Sie selbst Kritik am besten? Wir alle machen Fehler und wollen ungern von unseren Kollegen und Kolleginnen dafür angeschrien oder gar beleidigt werden.

Achten Sie auf den richtigen Zeitpunkt

Probleme können nur dann gelöst werden, wenn beide Gesprächspartner ausreichend Zeit haben. Sitzt Ihr Vorgesetzter gerade am Telefon und hat noch zwei weitere Besprechungen vor sich, sollten Sie sich einen anderen Tag für das Gespräch heraussuchen. Am besten fragen Sie nach einem festen Termin, den Sie sich beide im Kalender markieren. Wichtig ist, dass Sie Kritik mit Ihrem Chef oder Chefin in einem persönlichen Gespräch klären. Äußern Sie Kritik via E-Mail, kann es leicht zu Missverständnissen kommen.

So fragen Sie nach einem Gesprächstermin:

Guten Tag, Herr/ Frau XY. Ich hätte ein Anliegen, dass ich gerne persönlich mit Ihnen besprechen würde. Hätten Sie in den nächsten Tagen Zeit für ein persönliches Gespräch?

Zwei Frauen sitzen an einem kleinen Runden Tisch und unterhalten sich freundlich.

Das Kritikgespräch richtig führen

Bleiben Sie respektvoll, wenn Sie Ihren Chef kritisieren

„Manchmal frage ich mich, ob Sie Ihre Stelle über Vitamin B bekommen haben oder durch welches Wunder das geschehen ist“ – So oder so ähnlich denken Sie vielleicht ab und an über Ihren Vorgesetzten. Laut sollten Sie so etwas allerdings nicht sagen. Äußern Sie Kritik am Chef selbstbewusst, aber belassen Sie jegliche emotionalen Kommentare. Unfreundliche und nicht konstruktive Bemerkungen sind nicht nur verletzend, sondern auch lösungshindernd: Sie fallen negativ auf und Ihren Wünschen wird vermutlich nicht nachgegangen. Bleiben Sie deshalb auch während des Kritikgesprächs respektvoll, freundlich und vor allem sachlich. Statt vorwurfsvoll sollten Sie Kritikpunkte konkret ansprechen und beispielhaft schildern. Agieren sie nicht bewertend, sondern schildern Sie Ihre Beobachtungen. Ein Beispiel hierfür wäre folgender Satz:

Anstatt:

„Sie drücken Sich kompliziert und zu hektisch aus. Das versteht am Ende des Meetings kein Mensch.“

Eher:

„Mir würde es helfen, wenn Sie am Ende einer Besprechung etwas Zeit für Fragen und Wünsche offenlassen würden.“

Üben Sie auch positive Kritik

Schildern Sie im Gespräch auch, was gut läuft! Beispielsweise können Sie Ihre Kritik mit positiven Aussagen abwechseln. So bekommt Ihr Vorgesetzter nicht das Gefühl, sie oder er würde laut Ihnen alles falsch machen.

Runden Sie das Gespräch mit konkreten Lösungsvorschlägen ab. Die konkreten Maßnahmen können Sie anschließend zu zweit aushandeln, sodass beide Parteien mit einem guten Gefühl aus dem Gespräch gehen.

So können Sie in das Gespräch einsteigen, wenn Ihr Chef Ihnen zu viele Aufgaben zumutet:

Danke, dass Sie sich Zeit für mich nehmen. Ich mag meine Arbeit in diesem Unternehmen sehr. Jedoch ist mir in letzter Zeit aufgefallen, dass ich nicht (mehr) mein volles Potenzial entfalten kann. Ich fühle mich etwas überlastet. Deshalb wollte ich mit Ihnen besprechen, ob es möglich wäre, dass wir meine vielfältigen Aufgaben zusammen priorisieren? So könnte ich effektiver Arbeiten und wir beide würden davon profitieren.

Ein Mann im Anzug hält den Daumen hoch.

Kritik am Chef üben kann Ihnen Vorteile verschaffen

Kritisiert zu werden, missfällt den meisten Menschen. Trotzdem sollten Sie keine Angst davor haben, dass Ihr Vorgesetzter Sie nach dem Gespräch ächtet. Denn mit Ihrer Kritik beweisen Sie ebenfalls Courage und einen selbstbewussten Charakter. Auch Psychologen bestätigen, dass Sie Ihre Fremdwahrnehmung durch sinnvolle Kritik positiv beeinflussen können. Äußern Sie sich konstruktiv und stärken Sie mit Ihren Verbesserungsvorschlägen sogar die Position Ihres Vorgesetzten oder des Unternehmens, fällt das auch Ihrem Chef auf.

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Tags

Chef, Gespräch, Kritik, Vorgesetzter

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