Halo-Effekt: So überzeugen Sie Personaler

von Matthias Weichmann

Ist der Halo-Effekt die Eintrittskarte für Ihren neuen Job? Was im ersten Moment so geheimnisvoll klingen mag, kennen Sie bereits. Nun gilt es, diese Technik bewusst beim Vorstellungsgespräch einzusetzen, um so schnell die Gunst der Entscheider auf Ihrer Seite haben. Wir zeigen Ihnen, was es mit dem Halo-Effekt auf sich hat und wie Sie damit Ihr Bewerberbild skizzieren.

Haben Sie sich schon einmal vom Halo-Effekt blenden lassen? Die Wahrscheinlichkeit ist leider relativ groß. Das Grundprinzip dieses psychologischen Ansatzes basiert auf Wahrnehmungsfehlern von Menschen, anhand einer einzelnen Eigenschaft einer Person. Oder plump gesagt: Eine Eigenschaft sticht derart heraus, dass die Person damit alle anderen Eigenschaften überlagert.

Heißt: Eine einzige hervorstechende oder zuerst wahrgenommene Eigenschaft kann dafür sorgen, dass man euch hochleben lässt oder dass ihr ein Schattendasein frönt. Das ist jetzt zwar keine ganz korrekte Definition, beschreibt den Effekt aber ganz gut.

Was kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie an Quentin Tarantino denken? Möglicherweise kommen Ihnen Worte, wie „erfolgreicher Regisseur“ oder „tolle Filme“ in den Sinn. Und schon sind Sie beim Prinzip des Halo-Effekts. Menschen assoziieren Eigenschaften mit anderen Personen. Mit dem nächsten Tarantino-Film sind somit also hohe Erwartungen verbunden. Sie setzen also wortstarke Dialoge, actionreiche Szenen und namhafte Schauspieler voraus.

Personaler sind begeistert von Bewerber dank Halo-Effekt.

Der Halo-Effekt nutzt das Schubladendenken der Menschen aus.

Daraus schließen Sie möglicherweise, dass dieser auch ein Genie in Mathe ist, oder? Und schon haben wir Ihnen das Prinzip des Halo-Effekts offenbart, das Sie auch im Vorstellungsgespräch gewinnbringend einsetzen können. Bedenken Sie, dass Personaler in erster Linie auch nur Personen sind, die wiederum typische menschliche Fehler begehen. In diesem Fall Beurteilungsfehler. Beurteilungen trifft ein Mensch nämlich durch Bilder, die ihm von seiner Umwelt vermittelt werden. Oder eben auch vom Bewerbungskandidaten, der so seinen ersten Eindruck erzeugt.

Und genau hier kommt der Halo-Effekt ins Spiel, der Ihnen sehr wahrscheinlich bereits vertraut ist. Nur vielleicht nicht unter diesem Terminus. Als Entdecker gilt Frederic L. Wells, der den „Heiligenschein“-Effekt 1907 beobachtet hat. Der Begriff hat sich erst im 20. Jahrhundert von Edward L. Thorndike etabliert. Doch was steckt nun dahinter?

Unter dem Halo-Effekt versteht sich eine Tendenz, faktisch unabhängige oder nur mäßig korrelierende Eigenschaften von Personen oder Objekten irrtümlicherweise als zusammenhängend wahrzunehmen. Das vermag im ersten Moment sehr kompliziert klingen, doch wir zeigen Ihnen, wie Ihnen der Halo-Effekt im Bewerbungsprozess von Nutzen sein könnte.

Halo-Effekt: So prägt er das Bewerberbild

Letztendlich geht es beim Halo-Effekt darum, dass hierbei eine Person durch eine bestimmte Eigenschaft einen entsprechend positiven oder negativen Eindruck hinterlässt, der die weitere Wahrnehmung zur Person wie durch einen Heiligenschein überstrahlt. Aus diesem entscheidenden Merkmal ziehen die Personaler weitere Schlussfolgerungen über die Person. Sie legen sich fest, wie diese wohl handeln würde, sich verhält oder was deren Stärken und Schwächen sind.

Harsch formuliert nutzt der Halo-Effekt das Schubladendenken der Menschen aus. Thorndike veranschaulichte das an einem simplen Beispiel. Er belegte, dass Lehrer die Intelligenz der Kollegen als ähnlich hoch einschätzen, wie ihre eigene. Dabei beurteilen Sie nicht die Person als solche, sondern schlussfolgern rein aus dem Status und durch das Bild, das diese vom Lehrer-Beruf haben, entsprechende Merkmale.

Beweberin überzeugt mit Halo-Effekt.

Halo-Effekt: Eine Eigenschaft sticht derart heraus, dass die Person damit alle anderen Eigenschaften überlagert.

Jackpot für den Job: Den Halo-Effekt im Vorstellungsgespräch nutzen

Die Frage ist also, welches Schubladendenken Sie nun für das Vorstellungsgespräch nutzen können. Ein großer Faktor ist das optische Erscheinungsbild. Personen schätzen gut aussehende Menschen mehr und attestieren Ihnen ein hohes Maß an Kompetenz und Erfolg. Zudem wird Männern im Anzug oder Frauen im Business-Look ein hohes Selbstbewusstsein zugeschrieben. Brillenträger gelten als intelligent. Doch auch die Charakterzüge lassen sofort Schlussfolgerungen zu. Humorvollen Kollegen wird Vertrauenswürdigkeit zugeschrieben. Menschen, die gerne im Mittelpunkt stehen wird eine hohe Führungsqualität zugetraut.

Das bedeutet nun natürlich nicht, dass Sie alleine durch das Tragen einer Brille oder Anzugs den Personaler in der Tasche haben. Ihre Aufgabe besteht als Bewerber vielmehr darin, dieses Schubladendenken zu nutzen und sich gut zu überlegen, welchen Heiligenschein Sie sich aufsetzen können. Das A und O ist also eine gute Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch. Es geht darum die Werte des Unternehmens zu erfassen und ein entsprechend passendes Bild im Gespräch zu vermitteln. Tritt das Unternehmen eher konservativ auf, empfiehlt sich somit ein Business-Look. Sucht das Unternehmen eine Führungskraft könnte es also nicht schaden, dass Sie dies mit entsprechenden Beispielen belegen.

Schwächen in Stärken verwandeln

Haben Sie beispielsweise Lücken im Lebenslauf, neigen die Personaler wahrscheinlich eher dazu, Sie nicht in die engere Auswahl zu nehmen. Verkaufen Sie sich dabei aber als kreativer Querdenker, der seine arbeitsfreie Zeit gut begründen kann, können Sie diesen vermeintlichen Nachteil somit sogar in einen Pluspunkt ummünzen. Sie können sich quasi den Heiligenschein des Freidenkers aufsetzen. Sie sehen, der Halo-Effekt bietet Ihnen eine große Bandbreite an Möglichkeiten, ein entsprechendes Bild von sich zu prägen. Sie müssen letztlich herausfinden, welches Bild am besten zum Unternehmen passt.

Wichtig ist, dieses Bild bereits früh im Vorstellungsgespräch zu transportieren, da dieses wiederum die weitere Wahrnehmung zu ihrer Person beeinflusst. Sprechen Sie deshalb auch direkt Aspekte an, die Ihnen als kritisch ausgelegt werden können, jedoch keine Relevanz für die Stelle haben. Wichtig ist hierbei: Lügen Sie nicht, nur um sich durch den Halo-Effekt im Vorstellungsgespräch Vorteile zu verschaffen.

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Bewerbung, Tipps, Vorstellungsgespräch


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